Testament
Weiterführende Informationen rund um das Thema Testament.

Das Testament

Stellwerk für eine geregelte Erbfolge.

„Letzter Wille“, „letztwillige Verfügung“, „Verfügung von Todes wegen“ – all das mag in den Ohren heutiger Zeitgenossen veraltet, verstaubt und verstorben klingen, doch das „Testament“ ist auch im 21. Jahrhundert ein enorm wichtiges Dokument mit klaren rechtlichen Konsequenzen.

Bedeutsam auch und gerade für junge Leute ab etwa 30 Jahren

Der „letzte Wille“ ist keineswegs nur für Methusalem und die 95-jährige“ Erbtante“ ein Thema. Schon für junge Leute ab etwa 30 Jahren kann es enorm wichtig sein, rein vorsorglich in den persönlichen Unterlagen ein Testament aufzubewahren. Dies gilt vor allem für Menschen, die nicht verheiratet sind und beruflich oder privat immer wieder erhöhten Risiken (gefährliche Reisen, Arbeiten und Hobbies) ausgesetzt sind. 



Das Testament – ein Thema für junge Leute und Senioren

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Testament zu verfassen?

Der „letzte Wille“ ist nicht nur ein Thema, das Rentner und Pensionäre beschäftigen sollte. Schon für junge Leute ab etwa 30 Jahren kann es enorm wichtig sein, rein vorsorglich in den persönlichen Unterlagen ein Testament aufzubewahren. Dies gilt vor allem für Menschen, die nicht verheiratet sind, mit einem festen Partner zusammenleben und beruflich oder privat immer wieder erhöhten Risiken (gefährliche Reisen, Arbeiten und Hobbies) ausgesetzt sind.

So manche Menschen glauben, dass sie sich mit ihrem Testament bis zum Sankt-Nimmerleinstag Zeit lassen können. Ihre Haltung: „Ich will mich nicht mit dem Sterben und dem Tod beschäftigen.“ Oft meinen auch über 70-jährige Senioren, es genüge, auf dem Sterbebett einige Wünsche auf ein Stück Papier zu schreiben. Diese Vorstellung von einem alten Patienten, der noch schnell ein paar Wertgegenstände unter den Verwandten verteilt und sein Gewissen mit kleineren Wohltätigkeiten entlastet, passt nicht mehr in die heutige Zeit. Viele Menschen sterben heute nach einem langen Leben im Krankenhaus, in einem Zustand, in dem sie aufgrund eines angegriffenen Gesundheitszustandes nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind. Auf der Intensivstation, im Koma, unter dem Einfluss von Beruhigungs- und Schmerzmitteln sowie bei fortgeschrittener Demenz ist es so gut wie unmöglich, ein durchdachtes, ausgewogenes und juristisch unangreifbares Testament zu Papier zu bringen.



Warum sollten unverheiratete Partner vorsorglich ein Mini-Testament schreiben?

Wenn ein unverheirateter Partner ohne eigene Kinder bei einem Unfall oder aufgrund einer versteckten Krankheit plötzlich ums Leben kommt, erben in der Regel seine Eltern, Geschwister oder entferntere Verwandte. Die unverheiratete Partnerin erhält von dem Vermögen nichts, buchstäblich keinen Cent. Dies ist meist nicht gewollt. Ein per Hand geschriebenes, in den persönlichen Unterlagen aufbewahrtes vorsorgliches Mini-Testament kostet nichts und bewirkt viel: „Testament - Mein Erbe ist meine Partnerin X. Y.“ Mit Unterschrift ist das ein rechtsgültiger „letzter Wille“, der in 99 Prozent der Fälle viele Jahre o der Jahrzehnte nicht benötigt wird und jederzeit vernichtet, verworfen und verbessert werden kann. Meist erbt zwar auch bei Existenz eines solchen Mini-Testaments nicht der überlebende Partner allein, aber seine wirtschaftliche Situation stellt sich nach dem Todesfall deutlich besser dar als ohne Testament.

Wer erbt, wenn ein unverheirateter Partner Kinder hat?

Heute leben viele Menschen unverheiratet wie Ehepaare zusammen und ziehen gemeinsam als Eltern ihre Kinder auf. Soweit so gut, lassen wir mal beiseite, dass diese Quasi-Ehepartner möglicherweise Jahr für Jahr auf hohe steuerliche Vorteile verzichten. Wer erbt, wenn ein Partner verstirbt? Ausschließlich die Kinder! Der andere Partner bekommt nach der gesetzlichen Erbfolge aus dem Nachlass überhaupt nichts, nur eine schwarze Null, einen Beweis für Undank, Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit. Der Gesetzgeber ist da deutlich großzügiger gegenüber der Witwe oder dem Witwer. Der länger lebende Ehepartner erhält in den meisten Fällen

  • die Hälfte oder ein Viertel des Nachlasses

  • den fiktiven Zugewinnausgleich (ein Viertel des Nachlasses)

  • den Voraus (Hausrat, Auto)

  • eventuell weitere Vergünstigungen (zum Beispiel bei Übertragung steuerbegünstigter Kunstsammlungen)

  • die große oder kleine Witwenrente

  • 60 Prozent der Altersrente des verstorbenen Ehepartners (im Alter, sofern die Witwe oder der Witwer nicht wieder heiratet)

Unverheiratete Partner können sich nie und nimmer diese zahlreichen finanziellen Vorteile verschaffen, es sei denn, sie begeben sich freiwillig zum Standesamt und beenden die „wilde Ehe“. Falls diese Lösung ausscheidet, kommt nur noch ein Testament in Frage, mit dem der Partner oder die Partnerin als Erbe oder Erbin neben den Kindern eingesetzt wird. Das ist besser als nichts, aber steuerlich ungünstig. Der Steuerfreibetrag für fremde Personen, also auch unverheiratete Partner, beträgt nur 20.000 Euro (für Ehepartner dagegen 500.000 Euro, in der Praxis zahlen Ehepartner erst ab einer Erbschaft von mehr als einer Million Euro Erbschaftsteuer).



Weshalb Unternehmer ein Testament benötigen

Außerordentlich wichtig ist ein Testament für alle Menschen, die als Unternehmer für andere Menschen und für ihre Firma Verantwortung tragen. Ein führungsloses Unternehmen gerät schnell in Handlungsunfähigkeit und finanzielle Schieflage. Per Testament muss heute jeder Unternehmer dafür sorgen, dass die eigene Firma auch nach dem eigenen Tod handlungsfähig bleibt. Das fordert nicht nur der gesunde Menschenverstand. Auch Banken, die Kredite ausreichen, verlangen heute vorsorgliche Regelungen für jeden Ernstfall. 



Wann brauchen kinderlose Ehepartner ein Testament?

Wenn ein Ehepaar keine Kinder hat, erbt in vielen Fällen nicht nur der überlebende Partner. Meist erhalten auch Eltern oder – nach deren Tod – Geschwister des Verstorbenen einen Teil des Nachlasses. Ehepaare, die dies ausschließen wollen, sind gut beraten, ein gemeinschaftliches Testament oder zwei Einzeltestamente zu Papier zu bringen.

Wie Eltern sich wechselseitig als Erben einsetzen können

Die meisten Ehepartner wollen ihr Vermögen im ersten Schritt dem anderen Partner vererben und ihm die Möglichkeit eröffnen, auch als Witwe oder Witwer ohne materielle Not zu leben. Erst dann, wenn auch der zweite Ehepartner verstorben ist, sollen die Kinder erben. Dieser Wunsch ist weit verbreitet und nur per Testament umzusetzen.



Alleinlebende Personen und ihr Testament

Wie allein lebende Menschen ihren „letzten Willen“ durchsetzen

Immer mehr Menschen schlagen sich als „Singles“ durch das Leben. Wenn ein allein lebender Mensch kein Testament schreibt, erben die „nächsten Verwandten“. Das können kaum bekannte, weit entfernt lebende Personen sein, die sich nie um die „Erbtante“ oder den „Erbonkel“ gekümmert haben. Manchmal handelt es sich um Menschen, die schon mit materiellen Gütern gesegnet sind und daher auf Finanzspritzen nicht angewiesen sind. Als Erben kommen stattdessen andere Personen in Frage, zum Beispiel enge Freundinnen und Freunde – ohne Testament ist das nicht zu machen.Wer als Single mit dem eigenen Vermögen vorausschauend für die Zukunft Gutes bewirken will, sollte dies ebenfalls in einem Testament festlegen. Die Möglichkeiten, für Kinder und Jugendliche, für arme und alte Menschen, für Künstler und Wissenschaftler, für die Kirche oder für die Kunst etwas zu tun, sind unbegrenzt.

Warum auch bei wenig Vermögen ein Testament wichtig sein kann

Auch für Menschen, die mangels Masse kein Vermögen weiterreichen können, kann es sich lohnen, einen „letzten Willen“ niederzulegen. Wer dafür sorgen möchte, dass das eigene Lebenswerk nicht zerstört wird, dass persönliche Unterlagen vernichtet oder von einem Archiv aufbewahrt werden, dass Freunde und Bekannte Erinnerungsstücke erhalten … wer dies erreichen will, ist gut beraten, sich rechtzeitig um das Testament zu kümmern. 



Wer braucht wirklich kein Testament?

Die gesetzliche Erbfolge entspricht haargenau dem „letzten Willen“.

Für den Fall, dass ein Mensch verstirbt, der kein Testament zu Papier gebracht hat, kommt es zur „gesetzlichen Erbfolge“. Es handelt sich dabei um ein Regelwerk im Bürgerlichen Gesetzbuch BGB, das für jede mögliche Konstellation von Verwandten und Ehepartnern festlegt, wer vom Nachlass des Verstorbenen einen prozentualen Anteil erhält. Immer dann, wenn die „gesetzliche Erbfolge“ exakt dem „letzten Willen“ eines Menschen entspricht, ist ein Testament entbehrlich. Wissen Sie, wer Sie beerbt, wenn Sie kein Testament machen?

Die Einstellung „Nach mir die Sintflut“

Der Tod ist ein Tabu. Viele Bürgerinnen und Bürger hängen am Leben im Diesseits und wollen sich explizit nicht mit dem Sterben, dem eigenen Todesfall und der späteren Situation der Hinterbliebenen auseinandersetzen. „Nach mir die Sintflut“ sagen diese Leute. Es ist ihnen schlicht und einfach egal, was nach ihrem Ableben passiert. Wer so denkt, braucht wirklich keinen Gedanken an ein Testament zu verschwenden. Jeder Bürger hat das Recht, aber nicht die Pflicht, ein Testament zu schreiben.

Mangels Masse ist am Ende des Lebens nichts zu vererben.

Viele Menschen besitzen zum Zeitpunkt ihres Todes nur sehr wenig: einige abgewohnte Möbel, ein paar persönliche Habseligkeiten wie ein Fotoalbum und abgewetzte Kleidungsstücke und sonst nichts, nicht einmal Erben, die auf diese Gegenstände Wert legen würden oder bereit wären, die Beerdigung zu bezahlen. Wer in dieser Situation zu dem Schluss kommt, dass ein Testament keinen Sinn macht, kann darauf verzichten. Aber Vorsicht! Vielleicht ist das zu kurz gedacht! Wer den Nachkommen noch etwas mitzuteilen hat, sei es eine Moralpredigt oder eine Sammlung von Lebensweisheiten oder eine Begründung für die kalte Enterbung per Vernichtung sämtlicher materieller und finanzieller Werte, kann das per Testament wirkungsvoll in Szene setzen.



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