Gilt das auch für den Ein-Mann-Unternehmer?

Wenn ein Einzelunternehmer ohne Testament stirbt, gehen alle Vermögenswerte, Rechtspositionen und Verbindlichkeiten auf die Familie über. Sie bilden eine Erbengemeinschaft. Dadurch drohen eine Zersplitterung des Betriebsvermögens sowie Streitigkeiten über die Führung des Unternehmens. Diese Konstellation lässt sich durch die Errichtung eines Testamentes vermeiden. Oft ist es sinnvoll lediglich eine Person zum Alleinerben zu bestimmen, die auch das Unternehmen fortführen soll, während die anderen Angehörigen per Vermächtnis andere Vermögenswerte erhalten. Da der größte Teil des Vermögens von Unternehmern meist in der Firma steckt, führt diese Lösung jedoch zu - meist nicht gewollten - Ungerechtigkeiten. Wer eine faire Verteilung des Gesamtnachlasses anstrebt, benötigt professionelle Beratung. Vor einem selbst gestrickten Unternehmertestament sei hier gewarnt. Mit scheinbar für alle Beteiligten günstigen Anordnungen kann man die Erben regelrecht in den Ruin treiben.

Beispiel:
Ein Hotelier will seine Ehefrau finanziell absichern und dem einzigen Sohn den florierenden Betrieb überlassen. Er vermacht der Ehefrau die Immobilie (Grundstück und Hotelgebäude in bester Gegend von Hamburg) mit einem Buchwert von 50.000 € und einem Verkehrswert von 1 Mio. €. Der Sohn bekommt den Hotelbetrieb als Alleinerbe. Diese scheinbar perfekte Lösung ist steuerrechtlich eine Katastrophe. Denn die Trennung der Immobilie vom Hotelbetrieb wird vom Finanzamt als Entnahme gewertet, mit der Folge der Aufdeckung der in der Immobilie ruhenden stillen Reserven. Die Ehefrau hat sofort Einkommensteuer aus dem aufgedeckten Wert nach dem Höchstsatz bezahlen. Sie muss die Immobilie verkaufen, um an das Finanzamt Steuern in der Größenordnung von etwa 400.000 € zu überweisen.

Grundsätzlich gilt, dass Unternehmen zu Lebzeiten auf den oder die Nachfolger übertragen werden sollten, flankiert von zusätzlichen Verträgen wie z.B. einem Pflichtteilsverzicht. Das Unternehmertestament sollte immer nur eine begleitende Maßnahme darstellen für den Fall, dass der Todesfall des Unternehmers überraschend eintritt.


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