Was ist ein Ehegattentestament?

In einem gemeinschaftlichen Testament können Ehepartner ihre Vermögensnachfolge gemeinsam niederlegen und so aufeinander abstimmen. Das privatschriftliche Testament ist als solches gültig, wenn es als „letzter Wille“ bezeichnet oder zumindest erkennbar ist, handschriftlich von einem Partner abgefasst wird und sodann beide Partner mit ihrer Unterschrift dessen Gültigkeit bestätigen. Der nicht abschreibende Testator kann über seine Unterschrift noch eine kurze Erklärung seines Einverständnisses mit dem Testamentstext setzen. Insgesamt ist darauf zu achten, dass eine Unterschrift Abschlusscharakter haben muss, also auch tatsächlich unterhalb des Textes niedergeschrieben wird, nicht seitlich und nicht oben. Auch hier ist es ratsam, Datum und Ort zu vermerken; gibt es mehrere Testamente, lässt dies dann gesicherte Rückschlüsse auf die zeitliche Reihenfolge zu.
Eine häufig gewählte Form des gemeinschaftlichen Testaments ist das so genannte „Berliner Testament“. Damit setzen sich die Ehegatten wechselseitig als Alleinerben und auf das Ableben des letztversterbenden Ehegatten andere Personen - in der Regel die eigenen Kinder - als Schlusserben ein. Es ist also letztendlich eine Spezialform des gemeinschaftlichen Testaments und enthält sogenannte wechselbezügliche Verfügungen, die Bindungswirkung entfalten.
Sobald einer der beiden Partner verstorben ist, kann der überlebende Ehepartner das gemeinschaftliche Testament nicht mehr abändern, widerrufen oder die Erbfolge neu nach seinem Geschmack festlegen. Das Recht zum Widerruf eines Ehegattentestaments erlischt mit dem Tod eines Partners. Nur dann, wenn im Testament die Widerrufs- oder Abänderungsmöglichkeit (sogenannte Öffnungsklausel) vereinbart wurde, kann der Überlebende die gemeinsam getroffenen Anordnungen in dem zugelassenen Umfang abändern.

Tipp vom Fachanwalt für Erbrecht:
Zu Lebzeiten kann ein Ehegatte das gemeinschaftliche Testament einseitig widerrufen. Zu diesem Zweck muss er den Widerruf – unabhängig davon, ob das gemeinschaftliche Testament handschriftlich oder notariell erstellt wurde – von einem Notar beurkunden und diese Urkunde dem anderen Testator zustellen lassen. Dieses »umständlich« anmutende Vorgehen hat seinen Hintergrund in der wechselseitigen Bezugnahme auf die Verfügungen des jeweils anderen Partner, der gewarnt sein muss, fallen Verfügungen seines »Mittestators« weg.


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