Worauf ist bei Personengesellschaften zu achten?

Ziemlich kompliziert ist die Vererbung bei Gesellschaften, die mehreren Personen gehören (Gesellschaft bürgerlichen Rechts - GbR, Offene Handelsgesellschaft - OHG, Kommanditgesellschaft - KG).

Einige Beispiele:

  • Gemeinschaftspraxis von Ärzten

  • Handwerksunternehmen, das von zwei Meistern geführt wird

  • Rechtsanwalts- und Steuerkanzlei mit mehreren Anwälten und Steuerberatern

  • Architekturbüro, das mehreren Architekten, Stadtplanern und Innenarchitekten gehört

  • Werbeagentur, die von mehreren kreativen Leuten gegründet und geleitet wird

  • Handelsfirma zweier Kaufleute

Die Gesellschaftsanteile sind in diesen Fällen an Personen und nicht an einen Kapitalanteil gebunden. Sofern im Gesellschaftervertrag nichts anderes geregelt ist, gelten folgende gesetzliche Regelungen:

  • Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR löst sich beim Tod eines Gesellschafters auf.

  • Eine Offene Handelsgesellschaft OHG besteht weiter; der verstorbene Gesellschafter scheidet aus.

  • Eine Kommanditgesellschaft KG bleibt ebenfalls bestehen; der voll haftende Komplementär scheidet mit dem Tod aus, während die Erben eines Kommanditisten mit dem Anteil des Erblassers in die Gesellschaft einsteigen.

  • Die Erben werden jeweils abgefunden.


Häufig enthält der Gesellschaftsvertrag aber Regelungen für den Todesfall eines Gesellschafters. Es gibt eine Reihe von Klauseln, die Vor- und Nachteile entweder für die beteiligten Gesellschafter oder die Erben des Verstorbenen haben. Hier die wichtigsten:

Fortsetzungsklausel:
Die Gesellschaft wird beim Tod eines Gesellschafters mit den übrigen Gesellschaftern weitergeführt. Auch hier fällt der Anteil des Verstorbenen den übrigen Gesellschaftern zu, wofür diese eine Abfindung an die Erben des verstorbenen Gesellschafters zahlen müssen. Dieser Abfindungsanspruch kann aber durch Gesellschaftsvertrag ausgeschlossen werden. Möglich ist auch eine Begrenzung auf den so genannten Buchwert. Stille Reserven und der Firmenwert bleiben bei der Bemessung der Abfindung dann unberücksichtigt. Mit anderen Worten: Hier erhalten die Erben des verstorbenen Gesellschafters lediglich einen kleinen Teil des möglicherweise beträchtlichen Firmenwerts.

Einfache Nachfolgeklausel:
Nach dieser Klausel treten die Erben eines Gesellschafters in die Gesellschaft ein. Aber auch diese Klausel schafft Probleme. Häufig haben Ehegatten und Kinder als Erben im wahrsten Sinne des Wortes „keine Ahnung“ von dem Geschäft des verstorbenen Erblassers. Ihr Interesse reduziert sich darauf, Geld zu erhalten, ohne dass sie in der Lage wären, etwas zu der Gesellschaft beizutragen, deren Erfolg mit der Tätigkeit aktiver, fachkundiger und verantwortlicher Unternehmer steht und fällt.

Qualifizierte Nachfolgeklausel:
In einer solchen Klausel kann festgelegt werden, dass lediglich eine bestimmte Person als Nachfolger der verstorbenen Person in die Gesellschaft eintreten soll. Damit kann man dafür sorgen, dass ein Gesellschafter in die Firma eintritt, der aufgrund seiner fachlichen Ausbildung und seiner Persönlichkeit zu der „Personengesellschaft“ passt.

Tipp vom Fachanwalt für Erbrecht:
Bevor ein Unternehmer sein Testament schreibt, muss er prüfen, ob er überhaupt nach den gesellschaftsrechtlichen Regelungen seiner Firma über seinen Anteil frei verfügen kann. Grundsätzlich gilt nämlich, dass die gesellschaftsrechtliche Regelung der erbrechtlichen Regelung vorgeht. Notfalls muss der Gesellschaftsvertrag an das geplante Testament angepasst werden (was jedoch oft nicht möglich ist). Auch die steuerlichen Auswirkungen des geplanten Testaments sind sorgfältig zu prüfen.


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